Kirchenchor St. Pius
Kirchenchor St. Pius

Heitere Anekdoten aus der Welt der Kunst

_______________________________________________________________________________________29.11.2020

Die arrogante und egozentrische Art des Dirigenten George Szell machte ihm keine Freunde. Ein Bekannter sagte zu Rudolf Bing, dem Manager, Szell sei selbst sein schlimmster Feind. „Aber nicht, solange ich lebe“, war die Antwort.

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Ein berühmtes Streichquartett gastierte in einer winzigen Stadt Ostfrieslands und wurde sehr gefeiert. Nach dem Konzert hielt der Bürgermeister eine Rede „Sie werden vielleicht denken, wir hätten hier oben keine Kultur. Wir finden es prima, dass Sie uns heute nur zu viert etwas vorgespielt haben, aber wir hoffen, dass Sie wiederkommen - und bis dahin Ihr kleines Orchester haben vergrößern können.

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Der englische Dirigent Malcolm Sargent erzählte einmal im Freundeskreis von seiner Tournee durch Israel, auf der er einiges erlebt hatte. „Auf einem Spaziergang wäre ich beinahe getötet worden! Banditen haben zwei Revolverschüsse auf mich abgefeuert!“ - „Man sollte es nicht für möglich halten“, brummte Sir Thomas Beecham, sein schärfster Konkurrent, „dass selbst Banditen so viel von Musik verstehen!“

_______________________________________________________________________________________23.11.2020

Ein Kritiker erzählte Max Reger, er habe Richard Wagner mit zu Grabe getragen, woraufhin Reger spöttisch entgegnete: „Leider war Wagner tot und konnte sich nicht mehr dagegen wehren.“ Der zutiefst beleidigte Kritiker versicherte Reger, dass er zu seiner Beerdigung auf jeden Fall nicht erscheinen werde. Regers spöttische Antwort lautete: „Das können Sie halten wie Sie wollen; ich würde jedenfalls gern zu Ihrer Beerdigung gehen.“

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Ein minder talentierter, aber zum Ausgleich sehr von sich überzeugter Sänger gab einmal Enrico Caruso gegenüber mit dem Erfolg seines letzten Konzertes fürchterlich an: „Unglaublich, wie meine Stimme den riesigen Saal bis in die letzte Ecke füllte!“ Darauf Caruso: „Davon habe ich auch schon gehört. Freunde sagten mir, Ihre Stimme sei sogar so riesig gewesen, dass ein Großteil des Publikums den Saal verlassen musste, um ihr Platz zu machen.“

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In der Wiener Hofoper trat eine Sängerin mit außergewöhnlich dünner Stimme auf. Sagt ein Zuhörer zum anderen: „Dieser Frau würde ich unbedenklich jedes Geheimnis anvertrauen.“

_______________________________________________________________________________________06.10.2020

Die Spieler eines Streichquartetts waren im Zusammenspiel beträchtlich auseinandergeraten.

Einer der Konzerthörer im Saal fragt, freundlich lächelnd, seinen Nachbarn: „Auf wen setzen Sie?“

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Vor vielen Jahren wurden die Wiener Philharmoniker von einem begüterten, aber nicht besonders befähigten Dirigenten für ein Konzert verpflichtet, das auch vom Rundfunk übertragen werden sollte. Nach der Generalprobe hielt der Dirigent eine jener sinnlosen Ansprachen, die den Orchestermusikern mit Recht auf die Nerven gehen: „Meine Herren, ich danke Ihnen herzlich. Bitte, passen Sie heute abend besonders auf und machen Sie mir die Freude, gerade heute Ihr Bestes zu geben. Mein liebes Mütterlein befindet sich nämlich auf der Reise von den USA auf hoher See und wird sich auf dem Schiff das Konzert im Rundfunk anhören!“

Als es abends beim Konzert  durch die Schuld des Dirigenten einen gehörigen „Schmiss” gab, bemerkte der Solobratscher, deutlich vernehmbar, zu seinem Pultnachbarn: „So, und jetzt kotzt das liebe Mütterlein.“

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Drei weibliche Mitglieder der Bayreuther Bühnenfestspiele sprechen von ihrer Vergangenheit: „Ich habe meinem Gatten vor der Ehe alles gestanden“, sagte die eine.
„Da gehört Mut dazu“, meinte die zweite. „Und ein gutes Gedächtnis“, setzte die dritte hinzu.

_______________________________________________________________________________________29.09.2020

Auf einem Empfang des Wiener Burgtheaters, bei dem der Komponist Eugen d'Albert seine fünfte Frau der Gesellschaft vorstellte, meinte der Direktor desselben: „Verehrter Meister, Sie haben uns selten eine so charmante Gattin vorgestellt!“

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Der Schriftsteller Knut Hamsun kehrte von seinem ersten Besuch Frankreichs aus Paris zurück. Ein Freund fragte: „Sicher hatten Sie in der ersten Zeit Schwierigkeiten mit Ihrem Französisch?“ 
„Ich nicht“, erwiderte der Dichter, „aber die Franzosen.“

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Der französische Komponist Gounod schrieb: „Es gibt drei Dinge, die man seinem Nächsten nie verzeiht: das Gute, das er einem getan hat, das Schlechte, das man ihm angetan hat, und das Schlechte, das man ihm nicht hat antun können!“

_______________________________________________________________________________________22.09.2020

Ein Kritiker schrieb nach einem Konzert mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Max Reger in der Zeitung, man habe das Blech viel zu laut gehört. Regers Antwort kam auf einer Postkarte bereits am nächsten Tag: „Sehr geehrter Herr, Sie haben völlig recht, Blech darf man nicht hören, sondern nur schreiben.“

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Der Tenor Josef Schmidt, blutjung, aber schon bekannt, besuchte den Presseball in Berlin. Ein schönes Fräulein erregte seine Aufmerksamkeit, er stellte sich ihr vor und bat um den nächsten Tanz. Die junge Dame aus „bester“ Gesellschaft musterte ihn herablassend durch ihren Fächer: „Mit Kindern tanze ich nicht.“
Schmidt stutzte, lächelte: „Verzeihung, meine Gnädige, ich hatte keine Ahnung, dass Sie ein Kind erwarten.“ Verbeugte sich tief und schritt davon.

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Eine Autographensammlerin bestürmt Herbert von Karajan nicht nur um ein Autogramm, sondern um zwei, die er nach einigem Widerstreben gibt. Auf seine Frage, warum Sie denn durchaus zwei Autogramme haben wolle, antwortet sie : „Ja, für zwei Karajan bekomme ich einen Bernstein.“

_______________________________________________________________________________________13.09.2020

Der bekannte Inhaber eines Frankfurter Lebensmittelgeschäfts traf den Komponisten Paul Hindemith während der Zwanziger Jahre am Vortag zu einer Opernpremiere und begrüßte ihn lächelnd: „Na, Herr Hindemith, morgen haben Sie ja große Premiere. Hm - wissen Sie nicht, wo man faule Eier kaufen kann?“
„Natürlich weiß ich das. Gehen Sie in Ihr Geschäft und verlangen Sie frische!“

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Liszt war achtzig Jahre alt, als er einer Schönheit den Fächer aufhob. Diese war ungezogen genug, seine Höflichkeit mit einer verächtlichen Bemerkung aufzunehmen, worauf Liszt bemerkte: „Aber meine Gnädigste,wirklich! Sie verschwenden Ihre Kälte.“

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Eine sehr von sich eingenommene, reiche und nicht gerade mit Schönheit gesegnete Dame erschien bei Franz von Lenbach, um sich porträtieren zu lassen. „Aber das Bild muss ähnlich und wirklich schön sein“, betonte sie. Lenbach aber antwortete seelenruhig: „Ja, meine Dame, für eins von beidem müssen Sie sich schon entscheiden.“

_______________________________________________________________________________________03.09.2020

Vor dem berühmten Dirigenten Toscanini stand ein von sich mächtig eingenommenes, auch sonst mächtiges Exemplar von Sängerin, die nach einigen Zurechtweisungen des Maestros explodierte:
„Ich will Ihnen mal etwas sagen, Mister Toscanini. Schließlich bin ich eine weltberühmte Primadonna.“
Der Meister grinste. „Sorgen Sie sich nicht, meine Gnädigste. Dieses Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben.“

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Während einer langen Unterhaltung am Telefon ging der britische Dirigent Sir Thomas Beecham mit einem alten Freund die Reihe der bedeutenden englischen Komponisten seit Henry Purcel durch. „Und was ist mit Elgar?“ unterbrach ihn der Freund. „Was soll mit ihm sein“ sprach Sir Thomas. „Ist er etwa krank?“

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Der Dirigent und Pianist Hans von Bülow konnte sehr „charmant“ sein. So werden ihm auch die folgenden Sprüche zugeschrieben. Über eine bekannte Sängerin: „Sie singt durchaus nicht so schön, wie sie ist.“

Und über einen Dirigenten: „Er ist nicht so übel, wie einem wird, wenn er dirigiert.“

_______________________________________________________________________________________25.08.2020

Bei einer Premiere sah der Komponist Josef Hellmesberger einen Kritiker, der sein Urteil immer erst nach dem aller seiner Kollegen abgab. Spöttisch bemerkte er: „Was würde er darum geben, wenn er heute schon wüsste, wie ihm morgen die Oper gefallen haben wird!“

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Eine Zeit lang war man in England und anderswo der Meinung, niemand außer dem Dirigenten Sir Thomas Beecham wäre in der Lage, Mozarts Werke mit größerem Witz und größerer Delikatesse  zu Gehör zu bringen - und Sir Thomas selbst teilte diese Meinung in vollem Maße.  Nach einer dieser herrlichen, bejubelten Aufführungen erschien der Budapester Dirigent Fritz Reiner in seinem Künstlerzimmer. „Ich wollte Ihnen Dank sagen“, sagte er „für diesen herrlichen Abend mit Mozart und Beecham.“
Sir Thomas verzog die Nase. „Was wollen Sie Mozart da mit hineinziehen.“

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Josef Hellmesberger, Hofkapellmeister und Konzertmeister der Wiener Hofoper, wurde eines Tages von einem Kollegen gefragt, was denn der gefürchtete Kritiker Eduard Hanslick zur Zeit mache. Darauf Hellmesberger: „Hanslick ist leberleidend nach Karlsbad gefahren, aber leider lebend zurückgekommen.“

_______________________________________________________________________________________20.08.2020

Ein auswärtiger Gast sang die Partie des Lohengrin unter dem Dirigenten Hans Knappertsbusch grundsätzlich fast einen halben Ton zu tief. Nach der Vorstellung fragte der eitle Tenor: „Herr Professor, ich hoffe, dass Sie mit mir zufrieden waren!“ Knappertsbusch guckte aus dem Fenster und brummte:
„Ich wundere mich nur, wie Sie mit einem solchen Sauorchester singen konnten, das fortwährend einen halben Ton zu hoch spielt!“

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Brahms wurde von einem jungen Komponisten eine Sinfonie zur Begutachtung zugesandt. Der sehr bescheiden gehaltene Begleitbrief gipfelte in dem Schlusssatz: „Wenn Sie etwas an meiner Partitur auszusetzen haben, dann dürfen Sie mir ruhig die Wahrheit sagen. Nie fühle ich mich mehr geadelt, als wenn ein weiser Mann mich tadelt.“ Brahms sandte die Partitur mit der Bemerkung zurück:

„Ich würde Sie am liebsten mindestens zum Großherzog machen.“

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Aus verschiedenen Gründen konnte der Dirigent Arthur Nikisch zwei Bratschisten, die Meier und Müller hießen und nebeneinander am Pult saßen, nicht leiden. Als Nikisch eines Morgens das Gewandhaus betritt, naht sich ihm der Orchestervorstand mit ernstem Gesicht und teilt mit:

„Herr General, ich muss Ihnen die traurige Mittelung machen, dass unser lieber Kollege Meier vom dritten Bratschenpult heute nacht verstorben ist.“- „Und der Müller?“ fragte hoffnungsvoll Nikisch.

_______________________________________________________________________________________13.08.2020

Josef Haydn führte keine besonders glückliche Ehe. Seine Frau galt als streitbar, herrschsüchtig und hatte keine Beziehung zur Musik, die Haydn so viel bedeutete. Schließlich entschlossen beide sich einvernehmlich, getrennt zu leben. Ein Freund entdeckte eines Tages  ein großes Bündel ungeöffneter Briefe auf Haydns Schreibtisch.  Auf die Frage nach dem Inhalt dieser Briefe erklärte der Komponist: „Das sind alles Briefe von meiner Frau.

Ich habe diese Briefe nie gelesen. Aber das macht nichts, denn sie liest meine auch nicht.“

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Ein schwerkranker Freund des Cellisten Emanuel Feuermann bat ihn, doch bei seiner, des Kranken, Leichenfeier zu spielen. Feuermann, mit seinen Gedanken ganz woanders, erwidert mit freundlichem Nicken des Kopfes: „Gern. Was wollen Sie hören?“

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Kaiser Wilhelm II soll nach einer Aufführung von Richard Strauss' Salome zu einem Freund gesagt haben: „Es tut mir leid, dass Strauss das komponiert hat; ich habe ihn eigentlich gern, aber mit diesem Stück wird er sich furchtbar schaden.“ Als Strauss davon hörte, meinte er gelassen: „Von diesem Schaden konnte ich mir die Garmischer Villa kaufen.“

_______________________________________________________________________________________04.08.2020

Der Komponist Eugen d'Albert war in vierter Ehe mit der Pianistin und Komponistin Teresa Carreno verheiratet. Verkompliziert wurde die Lage dadurch, dass die beiden sowohl Kinder aus früheren Ehen, als auch gemeinsame Kinder hatten. Von Teresa Carreno ist der Ausspruch überliefert: 

„Eugen, komm schnell, deine Kinder und meine Kinder verprügeln unsere Kinder!“

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Mark Twain wurde einmal nach seinen Ansichten über Himmel und Hölle befragt. „Ich bedaure“, erklärte er, „darüber kann ich mich nicht äußern…Ich habe Freunde an beiden Orten.“

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Kurz nach Giacomo Meyerbeers Tod komponierte sein junger Neffe einen Trauermarsch, den er zur Begutachtung Rossini vorspielte. „Sehr schön, sehr schön“, sagte Rossini, nachdem der junge Mann sein Vorspiel beendet hatte, „aber wäre es nicht besser gewesen, Ihr wäret gestorben und euer armer Onkel hätte den Marsch komponiert?“

_______________________________________________________________________________________28.07.2020

Rossini verbrachte die letzten Jahrzehnte seines Lebens als Feinschmecker und begeisterter Koch. Einmal war er bei einer Pariser Gräfin zu einer musikalischen Soirée mit anschließendem Abendessen eingeladen. Zu Rossinis großer Enttäuschung bestand das Diner aus wenigen Gängen mit sehr kleinen Portionen. 

Als die Gastgeberin zum Abschied ihrer Hoffnung Ausdruck gab, dass der berühmte Komponist bald wieder bei ihr speisen möge, antwortete Rossini: „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann sofort.“

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Eines Abends irrte Alexander der Jüngere hinter den Kulissen eines Theaters umher und plauderte mit einer sehr witzigen, lebhaften und schlagfertigen, aber sehr mageren Schauspielerin. Plötzlich zog er eine Visitenkarte aus der Tasche und ließ sie der Schauspielerin in den Ausschnitt gleiten. „Was machen Sie denn da, Herr Dumas?“ sagte die Bühnenkünstlerin geziert; denn sie hielt das Späßchen für eine Galanterie.

„Mein Fräulein“, erwiderte der Schriftsteller, „wenn ich jemanden besuchen gehe, und ihn nicht antreffe, lasse ich meine Karte dort.“ 

_______________________________________________________________________________________20.07.2020

Max Reger trug einige seiner Werke in kleinem Kreis vor. Nach dem Konzert sprach die Gastgeberin, die in dem Komponisten eine verwandte Sammlerseele wusste, fortwährend über ihre Sammlung von Musikantiquitäten und nannte dabei die erstaunlichsten Dinge wie den Knauf eines Spazierstocks von Franz Liszt oder eine Locke der Perücke Georg Friedrich Händels.

Reger hörte gespannt zu und stellte fest: „Auch ich besitze einige wertvolle Stücke.

Das Wertvollste ist jedoch ohne Zweifel ein Loch aus der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart.“

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Franz Liszt sollte ein Konzert dirigieren, war aber in Verlegenheit, denn auf der Partitur, die er auf den Stuhl gelegt hatte, saß eine dicke Baronin. Liszt sagte zu ihr :

„Verzeihung, aber die Partitur, auf der Sie sitzen, ist nicht für Blasinstrumente bestimmt.“

_______________________________________________________________________________________12.07.2020

Noch als 60jährige sang die berühmte Sopranistin Lola Artot de Padilla den Part der Rosine in Rossinis „Barbier von Sevilla“. Jemand fragte den Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow nach seinem Urteil. „Das ist schon keine Rosine mehr“, sagte er lächelnd, „das ist schon mehr eine Backpflaume.“

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Ein Neffe Tolstois las ihm eines Tages schlechte Verse vor, die er eben verfasst hatte. Es war mitten im Winter. Das Zimmer war sehr kalt, und der große Dichter fror schrecklich beim Zuhören. Schließlich hatte der junge Poet seine Vorlesung beendet und bat seinen Onkel um sein Urteil. „Wahrhaftig“ sagte Tolstoi, „eins ist sicher: wenn mehr Feuer in deinen Versen wäre oder mehr von deinen Versen im Feuer, hätten wir es hier nicht so kalt.“

_______________________________________________________________________________________06.07.2020

Der persönliche Zauber wie sein Talent trugen Johann Strauß viele Erfolge bei den Frauen ein. Bei einer Russland-Tournee wurde er von einem russischen Offizier gefordert, der erfahren hatte, dass seine Frau jeden Tag dem „Walzerkönig“ Blumen schickte. Strauß führte den Eifersüchtigen in sein Hotel und durch vier große, mit Blumen gefüllte Räume.
„Wollen Sie bitte die Blumen Ihrer Frau Gemahlin heraussuchen“, sagte Strauß ruhig.

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Eine Dame hatte Ingres gebeten, sie mit ihrem Söhnchen zu porträtieren. Der Maler übernahm den Auftrag, doch die Sitzungen zogen sich lange hin, wurden dann immer seltener und hörten schließlich ganz auf. Als Ingres die Dame endlich zu einer letzten Sitzung zu sich gebeten hatte, erschien sie allein. „Wo ist denn Ihr kleiner Junge?“ fragte der Maler.
„In seiner Garnison”, erwiderte sie lächelnd. „Er ist jetzt Leutnant bei den Dragonern.“

_______________________________________________________________________________________30.06.2020

Der Pianist v. Kontski legte großen Wert auf das „von” vor seinem Namen und betonte es bei jeder Gelegenheit. Eines Tages sagte er zu einem Herrn aus seinem Bekanntenkreis: „Wissen Sie, dass mein Familienadel bis auf die Kreuzzüge zurückgeht? Einer meiner Ahnen hat Kaiser Barbarossa begleitet.“
„Auf dem Klavier?“ fragte der andere.

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Der große englische Schauspieler stand in London als König Richard III. auf der Bühne. An der bekannten Stelle, wo der König verzweifelt ruft: „ein Pferd! ein Pferd! ein Königreich für ein Pferd!“ rief ein Rüpel von der Galerie herab: „kann's nicht auch 'nen Esel sein?“ Sullivan erwiderte: „Ja, ja! Kommen Sie nur auf die Bühne!“

_______________________________________________________________________________________27.06.2020

Das Idol der Liebhaber des „Belcanto” war einst Marietta Alboni, eine italienische, mit einem wundervollen Kontraalt begabte Sängerin. Ihr Ruf drang auch zu Meyerbeer, und er wollte sie hören. Zunächst einmal aber war er überrascht von ihrer umfangreichen Taille. Die Alboni wog nämlich annähernd zweihundert Pfund. Schließlich aber erklärte Meyerbeer überwältigt:
„Ein derartiges Phänomen habe ich noch nie gesehen! Ein Elefant, der eine Nachtigall verschluckt hat.“

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Ein junger Schriftsteller beklagte sich bei Alexandre Dumas, dass alle seine Artikel von den Zeitungen zurückgewiesen würden. 
„Und Sie wissen nicht, warum?“
„Ich habe nicht die geringste Ahnung!“
„Aha, meinte Dumas, das ist es also!“

_______________________________________________________________________________________22.06.2020

Nach kurzen Aufenthalten in Wien und Zürich kam der berühmte Pianist Brailowski als junger Mann nach Paris. Er hatte damals eine Nachbarin, die eine öfters raunzende Angorakatze verhätschelte. Eines Tages beklagte sich der Künstler bei ihr, er hätte wegen des Katzengejaules die ganze Nacht kein Auge schließen können. „Ja, was soll ich denn machen?“ versetzte sie ärgerlich. „Soll ich etwa Ihretwegen meine Katze umbringen?“ 
„Nein, nein, Madam”, erwiderte er, „nur stimmen lassen!“

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In der Zeitung „Echo de Paris” kündigte man den Tod des Schriftstellers Allais an. Doch der erfreute sich bester Gesundheit und schrieb der Redaktion: „Ich bin am Leben, und es geht mir sehr gut. Für den Fall, dass ich trotzdem sterben sollte, autorisiere ich Sie, folgende Annonce in Ihrem Blatt zu bringen:

,Wie wir vor 25 Jahren als erste mitteilten, ist Alfons Allais gestern gestorben.‘ “

_______________________________________________________________________________________16.06.2020

Ein Bewunderer begleitete Johannes Brahms zu seiner Wohnung in der Wiener Karlsgasse. Vor dem Haus blieben beide noch etwas stehen, und der junge Verehrer des großen Komponisten sagte nachdenklich:
„Was wird wohl einmal auf einer Tafel an diesem Haus stehen, wenn Sie einst nicht mehr sind, Meister?“
„Wohnung zu vermieten natürlich“, brummte Brahms und verabschiedete sich.

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Ein großer Industrieller sagte zu Mark Twain: „Ehe ich sterbe möchte ich eine Wallfahrt ins Heilige Land unternehmen, den Berg Sinai besteigen und die Zehn Gebote lesen.“
Da habe ich eine bessere Idee”, meinte Mark Twain.” Bleiben Sie in Chicago und halten Sie sie ein.“

_______________________________________________________________________________________13.06.2020

In einem Salon, in dem der junge Paderewski mit kaum acht Jahren die Zuhörer mit seiner frühreifen Virtuosität verblüffte, blieb der Lustspielverfasser Labiche gleichgültig. Einer der Gäste bat ihn, er möchte doch ein nettes Wort an das Wunderkind richten. Labiche stand auf, trat zu dem jungen Pianisten, kniff ihn zart ins Ohr und sagte mit herablassendem Lächeln: „Na, schon fertig, kleiner Radaumacher?“

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Ein angehender, auf der neuen Welle schwimmender kleiner Star wollte sich von einem Pariser Maler porträtieren lassen, aber sie war nicht wenig erschrocken, als man von ihr 2000 Francs Honorar forderte.
„Sie sind ja verrückt! Für derartiges Geld könnte ich mich ja von einem viel berühmteren Maler malen lassen, von einem, der viel bekannter ist als Sie...“
Sie überlegte einen  Augenblick und fuhr dann fort: „Von Rembrandt zum Beispiel!“

_______________________________________________________________________________________09.06.2020

Bei einer Abendgesellschaft, bei der auch Rossini zugegen war, zierte sich eine zum Singen aufgeforderte Dame lange, ehe sie sich nachzugeben entschloss.

„Ach verehrter Meister“, sagte sie, „ich hab ja solche Angst!“ „Na, und ich erst!“ versetzte Rossini.

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Gottfried Keller erhielt eines Tages in seiner Eigenschaft als Staatsschreiber des Kantons Zürich den Brief eines Bürgermeisters , worin dieser sich beklagte, er könne mit einem widerborstigen Bauern nicht fertig werden;
der Mann habe ihm frech erklärt, er solle „ihn am Arsch lecken“.
„Was soll ich tun, Herr Staatsschreiber?“
Keller schrieb an den Rand des Briefes kurzweg: „Ich würde es nicht tun“ 

_______________________________________________________________________________________05.06.2020

Bei einem Aufenthalt in New York nahm Strawinsky ein Taxi. Zu seiner großen Überraschung las er auf dem Schildchen des Wageneigentümers seinen eigenen Namen. „Sind Sie irgendwie mit dem Komponisten verwandt?“ fragte er den Chauffeur.
„Gibt’s denn einen Komponisten, der Strawinsky heißt? Das ist mir ja das Allerneueste! Strawinsky heißt mein Chef. Ich selber habe nichts mit Musik zu tun. Ich heiße Puccini.“

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Der berühmte Wiener Komiker Girardi begegnete eines Tages einem Kollegen, den er nicht leiden konnte. Fröhlich begrüßte ihn der andere: „Das ist ja herrlich, gleich am frühen Morgen einem so prächtigen Menschen wie dir zu begegnen!“ „Ja, ja“, erwiderte Girardi, „du hast eben mehr Glück als ich.“

_______________________________________________________________________________________02.06.2020

Franz Liszt probte mit dem relativ kleinen Orchester  von Altenburg. An einer Stelle klopfte er ab und sagte: „Leiser bitte die Hornstelle, ganz leise!” Bei der Wiederholung aber war der große Meister wieder nicht zufrieden. „Leiser! Zarter bitte!“ Zum dritten Mal erklingt die Passage, wieder nicht nach Liszts Geschmack. Ein wenig ärgerlich ruft er dem Hornisten zu: „Ja, können Sie denn nicht pianissimo blasen?“
„Herr Doktor“, erwiderte der Musiker, „wenn ich pianissimo blasen könnte, wäre ich nicht in Altenburg.“

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Eine Dame sagte eines Tages zu dem Pianisten Wilhelm Kempff: „Es muss doch ungeheuer schwer sein, so spielen zu können wie Sie!“ Kempff erwiderte: „Das ist gar nicht so schwer wie Sie denken.

Man braucht ja nur die richtige Taste zur richtigen Zeit anzuschlagen.“

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Man wollte in Paris zum ersten Mal die „Schöpfung“ von Haydn aufführen. Um diesem Ereignis das notwendige Gewicht zu verleihen, wünschte der Direktor der Oper, die mitwirkenden Künstler sollten in zeitgemäßen Kostümen singen. Daraufhin erhielt er von der für die Partie der Eva vorgesehenen Künstlerin eine empörten Brief: „Mein Herr, ich bin eine anständige Künstlerin und werde niemals einwilligen, nackt zu erscheinen.“

_______________________________________________________________________________________29.05.2020

Dem Komponisten Richard Strauß wurde zu seinem 50. Geburtstag ein Ständchen von der Deutschmeisterkapelle dargebracht. Man spielte den Rosenkavalierwalzer. Strauß bedankte sich und sagte, sie hätten hervorragend gespielt. „Danke, Herr Generalmusikdirektor“, erwiderte der Kapellmeister und fügte hinzu: „Sehn Sie, schreiben kann ja so was jeder, aber spielen! Spielen...das ist eine Sauarbeit!“

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Ein Musikliebhaber äußerte sich in einem Pariser Café begeistert über die Schönheit der Sängerin Henriette Sonntag, die eben zum ersten Mal in der Pariser Oper aufgetreten war. Ein Zuschauer wagte den schüchternen Einwand, Fräulein Sonntag sei in der Tat sehr hübsch, aber eins ihrer Augen sei kleiner als das andere.

„ Ein Auge kleiner!“ rief der Verehrer der Künstlerin, „ein Auge kleiner! Sie haben wohl nicht richtig hingesehen. Im Gegenteil, eins ist größer!“

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Bismarck konnte sich für Richard Wagner nicht begeistern. Bei der einzigen Begegnung der beiden großen Männer sagte Wagner: „Es wäre mein sehnlichster Wunsch, einige Jahre in der Nähe Eurer Durchlaucht wirken zu dürfen.“ - „Sehr schade“, erwiderte Bismarck verbindlich, „aber es besteht leider wenig Aussicht, dass ich nach Bayreuth versetzt werde.“

_______________________________________________________________________________________25.05.2020

Gustav Mahler verbrachte seinen Urlaub gern am Attersee, wo er sich sogar eigens ein kleines „Komponierhäuschen“ errichtet hatte. 1861 hatte Mahler seinen Freund Bruno Walter dorthin eingeladen.

Als dieser nun beim Verlassen des Dampfers ergriffen von dem herrlichen Blick auf das Höllengebirge stehenblieb, zog ihn Mahler am Ärmel weiter und sagte: 

„Sie brauchen sich gar nicht so umzusehen...das habe ich alles schon wegkomponiert“.

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Jemand fragte den berühmten Pianisten Rubinstein: „Was ist wohl das schwierigste, wenn man Klavierspielen lernt?“  Und Rubinstein antwortete prompt: „Die Unterrichtsstunden zu bezahlen.“

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Die Sängerin Adelina Patti konnte sich nicht von der Bühne, der Stätte höchster Triumpfe, trennen. In ihrem 70sten Lebensjahr gab sie endlich ihr Abschiedskonzert, dem auch der Pianist Hans von Bülow beiwohnte.

Ein unentwegter Bewunderer der Sängerin fragte Bülow nach seinem Eindruck.

Er antwortete: „Es war das schönste Asthma, das ich je gehört habe.“

_______________________________________________________________________________________20.05.2020

Ein Bauer kam nach Dresden und wollte in der Hofkirche gern eine Messe hören, denn er hatte schon oft von der schönen Musik in dieser Kirche gehört.
„Was gibt´s denn heute für eine Messe?“ fragte er treuherzig den Messner.
„Eine besonders schöne, eine von Haydn“, war die freundliche Antwort. 
„Was?“ rief der brave Bauer entsetzt. „Schreiben die Heiden jetzt auch schon Messen?“

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Als der Komponist Berlioz auf dem Sterbebett lag, sagte er mit resigniertem Lächeln zu einem Freund:
„Jetzt wird man endlich meine Musik spielen!“

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Am Tag der Befreiung von Paris beging eine englische Familie das Ereignis festlich. Es waren Mitarbeiter von BBC, Schriftsteller und Kunstkritiker anwesend. Die junge Tochter des Hauses setzte sich plötzlich ans Klavier und spielte die „Marseillaise“.
Einer der Geladenen brach in Tränen aus. „Sie sind Franzose, nicht wahr?“ fragte ihn die Gastgeberin gerührt.
„Nein“, seuzte er, „ich bin Musiker.“

_______________________________________________________________________________________15.05.2020

Zu Johannes Brahms kam ein angehender Komponist und bat den berühmten Meister um Prüfung seiner Produktionen. Brahms setzte sich an seinen Schreibtisch und studierte aufmerksam die künstlerischen Hervorbringungen des jungen Mannes. Nach einiger Zeit sagte Brahms nachdenklich: „Sagen Sie mal, wo haben Sie nur dieses wundervolle Notenpapier her?“

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Max Reger spielte in einem Konzert den Klavierpart von Schuberts „Forellenquintett“. Eine begeisterte Bewunderin schrieb ihm daraufhin und schickte ihm ein paar herrliche Forellen. Reger bedankte sich für die große Liebenswürdigkeit und fügte hinzu: „Darf ich Sie übrigens darauf aufmerksam machen, dass wir

demnächst das ,Ochsenmenuett‘ von Haydn aufführen.“

_______________________________________________________________________________________12.05.2020

Eine junge Dame, die wohl das Zeug zu einer Pianistin in sich zu haben glaubte, erschien bei Franz Liszt in Weimar und bat, ihm vorspielen zu dürfen. Als sie das von ihr ausgewählte Klavierstück schlecht und recht beendet hatte, fragte sie schüchtern den berühmte Meister, welchen Weg sie weiter verfolgen solle. Liszt trat zu ihr, legte ihr mit milde väterlichem Lächeln die Hand auf das blonde Haupt und sagte:

„Heiraten Sie, liebes Kind!“

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Eines Tages begleitete A. Dumas Rossini bis zu dessen Wohnung, die dicht bei einem Bahnhof lag.
Dumas fragte, ob denn die Pfiffe der Eisenbahnzüge ihn nicht störten.
„Mein Lieber, wenn man die Pfiffe bei der Erstauffürung ,meines Barbier von Sevilla‘ gehört hat, stören einen die kleinen Pfiffe der Eisenbahn überhaubt nicht.“

_______________________________________________________________________________________08.05.2020

Im Verlauf einer Probe des N.B.C.-Orchesters vergriff sich der Harfenist, der in dem betreffenden Stück nur einen einzigen Ton anzuschlagen hatte. Toscanini ließ also die Stelle wiederholen. Zum zweiten Mal zupfte der Harfenist die falsche Saite. Wütende Blicke Toscaninis. Er lässt nochmals wiederholen, aber der Harfenist ist nun bereits so nervös geworden, dass er wiederum danebengreift. Zornbebend wirft Toscanini den Taktstock hin und stürmt aus dem Saal.
Am Aufführungsabend nimmt der Harfenist still und mit scheuen Blicken Platz unter seinen Kollegen. Er zieht die Schutzhülle von seinem Instrument...Alle Saiten sind entfernt, bis auf eine, die richtige. 

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Der Komponist Max Reger war von einem Kritiker fürchterlich verrissen worden. Reger schrieb ihm daraufhin: „Geehrter Herr, ich sitze im kleinsten Raum meiner Wohnung und lese Ihre werte Kritik…
Noch habe ich sie vor mir…“
                                                                                                                                          Hochachtungsvoll
                                                                                                                                          Max Reger

_______________________________________________________________________________________04.05.2020

Für Richard Strauß wurde in Wien eine Büste enthüllt. Der Künstler war selbst bei der Feierlichkeit zugegen. 

Da trat eine junge, stark dekolletierte Dame zu ihm und sagte „Hochverehrter Meister, ich bin 500 km gereist, um an der Enthüllung Ihrer Büste teilnehmen zu können.“ - „Das ist mir eine außerordentliche Ehre“, erwiderte Strauß; „ich würde bestimmt 1000 km fahren, um der Enthüllung Ihrer Büste beizuwohnen.“

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Einer der bedeutendsten Musikkritiker seiner Zeit war Eduard Hanslick in Wien. So scharf und unbestechlich aber sein Urteil in Kunstfragen war, so liebenswürdig gab er sich als Gesellschafter. Eines Abends war er Gast eines Wiener Neureichen. Nach dem üppigen Mahl nahm die Hausfrau Hanslick am Arm und zog ihn ins Musikzimmer. Hier ließ sie sich am Klavier nieder und sagte: „Sie lieben doch gute Musik, Herr Professor ?“ Gemütlich antwortete er: „Das macht nichts. Spielen Sie nur.“

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